Unsere schöne Sprache 2

16. November 2019 | Von | Kategorie: Boskop

In Juristenkreisen kursiert seit Urzeiten der Spruch „Weihnachtsmann im Sinne des Gesetzes ist der Osterhase.“ Auch in der Wirtschaft, der Politik und den Medien sind  derlei Kunstgriffe  mittlerweile üblich geworden.

Die Europäische Zentralbank (EZB) ist für die Stabilität des Euro zuständig, aber erst zufrieden, wenn die Inflation 2% jährlich erreicht und sie zusätzlich Negativzinsen erhebt, wobei sie durch die Inflation die hoch verschuldeten Staaten entlastet. Der Wert der Euros, die ein Sparer bei seiner Bank unverzinst deponiert, hat sich  also nach 25 Jahren halbiert. Verlangt auch die Bank Negativzinsen, sieht es für die Stabilität noch schlechter aus.

Ein Wirtschaftswachstum (!) von rund 1 % jährlich gilt als „Abschwung“ oder „technische Rezession“, die nach Ansicht der Wirtschaft, der CDU/CSU und selbstverständlich der FDP weitere Steuersenkungen für die Unternehmen erforderlich macht. 

Da Arbeitnehmer lästige soziale Verpflichtungen für die Arbeitgeber schaffen, werden sie inzwischen nicht nur über Werkvertrage, sondern zunehmend im Rahmen der GIG-Economy als „Selbständige“ beschäftigt, obwohl sie das bei aller Phantasie nicht sind.

Die „Initiative neue soziale Marktwirtschaft“ ist ein von der Arbeitgeberorganisation Gesamtmetall gegründeter neoliberaler Think Tank; was er im Sinn hat und andauernd in Zeitschriften propagiert, ist alles andere als sozial.

Dies sind nur einige Beispiele von vielen. Gezielte Begriffsmanipulationen dieser Art, die von den Medien regelmäßig anstandslos übernommen werden, sind inzwischen täglich Brot des deutschen Wahlvolks. Es lebe die Demokratie!

P.S.: Niemand, erst recht nicht der Bundesfinanzminister der SPD, denkt auch nur daran, die Gewinne, die der Staat durch die Zinspolitik der EZB einfährt (Zinsentlastungen, inflationsbedingte höhere Steuereinnahmen) ganz oder teilweise an die düpierten Bürger zurückzugeben….

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