Fliehkräfte

11. Februar 2020 | Von | Kategorie: Mikroskop

Betrachtet man die Beben, von denen die CDU derzeit erschüttert wird, so ist  man versucht, ihr  anerkennend zu bescheinigen, dass sie mit ihrer Zerlegung in bemerkenswert kurzer Zeit geschafft hat, wozu die SPD lange Jahre brauchte.  

Bei näherem Hinsehen jedoch gilt: Auch die CDU hat jahrzehntelang „marktkonform“ wenige bedient, viele dagegen benachteiligt, und während der Regierungszeit der Angela Merkel ist allzu viel Drängendes unbearbeitet geblieben. Die Geduld der Vielen aber ist nicht unendlich, und der enttäuschte Deutsche greift bekanntlich nicht zur Gelbweste, sondern wählt Rechtsaußen.

Hinzu kommt, dass Merkel als gelehrige Schülerin des Helmut Kohl schon früh die Personaldecke der CDU systematisch ausdünnte, indem sie sich aller männlichen parteiinternen Konkurrenten (Koch, Merz, Röttgen, Wulff) entledigte, und dass sie sich zu gern fernab von den Niederungen der Innenpolitik in ihrem internationalen Renommé sonnt.   

Im Jahr 2018 legte Merkel schließlich zwar den Parteivorsitz nieder, bewahrte jedoch ihre inneren Machtbefugnisse als Kanzlerin. Damit mutete sie Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK) von Anfang an  eine schwache Position zu, an der jede(r) Vorsitzende scheitern musste.

Es wundert daher nicht, dass nun, da AKK das Handtuch geworfen hat, noch keiner der Aspiranten (Laschet, Merz, Spahn) in den Ring steigen und den Kampf um den Parteivorsitz nebst Kanzlerkandidatur aufnehmen mag. Angela Merkel sollte schnellstens entweder für den Rest der Legislatur den Parteivorsitz wieder übernehmen oder, besser, auch das Amt der Bundeskanzlerin aufgeben.

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