Deutsche Seelchen

7. Juli 2021 | Von | Kategorie: Mikroskop

Eine der weihevollen Rolex-Werbungen am Rande von Wimbledon besagt sinngemäß, dass der größte Gegner beim Turnier-Tennis der Spieler selbst ist. Jeder, der  Tennisturniere absolviert hat, weiß nur zu gut, wie wahr dieser Spruch jedenfalls bei psychisch instabilen Spielern ist.   

Zwei Runden hat Alexander Zverev in Wimbledon hervorragend gespielt, nicht wie allzu oft passiv weit hinten, mit guter Beinarbeit, hartem Aufschlag, gelungenen Netzattacken und – vor allem –  selbstbewusster Entschlossenheit. In solcher Verfassung ist er kaum zu schlagen. Das dritte Match war dann bereits durchwachsen, das vierte katastrophal.  Der junge Kanadier Felix Auger-Aliassime hat gewiss gut gespielt, sobald aber Zverev seine Fähigkeiten aufblitzen ließ, zeigte sich, dass er deutlich überlegen hätte sein können. Nun gilt es für „Sascha“ wieder einmal,  eine vermeidbare Niederlage zu verarbeiten.

Ein ähnlicher Fall ist Angelique Kerber. Bis zum Jahr  2016, als sie die Australian Open, die US Open und die Silbermedaille bei den Olympischen Spielen gewann und auf Platz 1 der Weltrangliste vorrückte,  legte sie ein blitzsaubere Karriere hin – trotz ihrer Schwäche, sich vor allem auf die Verteidigung  zu kaprizieren. Im Jahr 2018 gewann  sie  noch Wimbledon gegen Serena Williams, die allerdings einen rabenschwarzen Tag erwischte. Danach kam ein jahrelanges Desaster zahlloser früher Niederlagen, sichtlich aufgrund fehlenden Selbstbewusstseins –  bis Kerber in Vorbereitung auf Wimbledon 2021 Bad Homburg gewann. Nun hat sie in Wimbledon bisher auch wieder einen Lauf und steht im Viertelfinale, obwohl der so wertvolle Netzangriff ihr noch immer eher fremd ist. Gegen Ashleigh Barty im Halbfinale wird sie so kaum bestehen können.

Zverev wie Kerber fehlt die Konstanz, die  wirklich Große im Tennis seit jeher auszeichnet. Spannend ist die Frage, woran das liegt. Mögliche Ursachen sind eine ungünstige  Veranlagung  („schlechte Gene“),  ein für sie negatives Elternhaus in Kindertagen oder – wie offenbar zumindest auch bei Zverev – sonstige private Probleme. Nebenbei: Ist der Vater als Trainer für ihn wirklich noch immer (wieder) förderlich? Genau werden Zverev und Kerber all das wohl selbst noch nicht wissen.

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