Der Wille zum Sieg

31. Oktober 2016 | Von | Kategorie: Boskop

Angelie Kerbers Niederlage im Endspiel der WTA-Finals von Singapur wird von ihr und den Medien überwiegend mit körperlicher Erschöpfung erklärt. Diese Analyse ist wenig  überzeugend, nachdem Kerber noch am Tag vor dem Finale topfit war, ihr bestes Tennis zeigte und  Agnieszka Radwanska mit 6:2 6:1 vom Platz schickte.  Jeder erfahrene Turnierspieler kennt das Phänomen, dass auf der Verliererspur auch die Körperkräfte nachzulassen scheinen.

Tatsächlich  dürfte die Niederlage Kerbers im Finale eher auf ihre Einstellung zum Match zurückzuführen sein. Es fehlte ihr sichtlich der unbedingte Siegeswille, der bei in etwa gleicher Spielstärke letztlich über Sieg und Niederlage entscheidet.

Mit just diesem Willen hatte Kerber zuvor alle Spiele  zuvor gewonnen, auch das erste Gruppenspiel gegen Dominika Cibulkova.  Nun fehlte nur noch eine Wiederholung dieses Sieges. Ein solches  „nur noch“ aber kann hemmend wirken, ein bloßes „es wird schon“ an die Stelle von Entschlossenheit setzen.  Im Finale wollte Kerber denn auch zwar nicht verlieren und stemmte sich gegen die Niederlage, aber das ist  nach aller Erfahrung eben nicht genug:  Den unbedingten Willen zum Sieg  hatte Cibulkova. Sie spielte dominierender, machte weniger Fehler – und gewann.

Nach langen Jahren, in denen ihre Kampfkraft nicht immer überzeugend war, ist Angelie Kerber der Durchbruch zur absoluten Spitze schließlich sehr schnell gelungen. Sie hat ihr starkes Verteidigungsspiel hervorragend um aggressive Spielzüge erweitert. Psychisch ist sie durch ihre enormen Erfolge ebenfalls stabiler geworden, aber in diesem Bereich gibt es offenbar – wie beim Aufschlag – noch allerhand zu tun.

Kommentare sind geschlossen